Ohrschmeichler

Test Sennheiser RS 170 Funkkopfhörersystem

Publiziert am 10. Dezember 2009 - Christian Hunziker
Das Funkkopfhörer-System RS 170 von Sennheiser sieht gediegen aus und erfreut u.a. mit 3D-Sound.

Es gibt Hersteller, die hervorragende Technik erst noch ansprechend verpacken können. Auch Sennheiser gehört seit einigen Jahren dazu: Der anthrazit gehaltene RS 170 Funkkopfhörer sieht interessant und elegant aus auf seiner Sender/Ladestation - schon in der Verpackung, geschweige denn im Wohnzimmer.

Funkkopfhörer bestehen gezwungenermassen aus einem Sender, der mittels Kabel mit dem Audiogerät verbunden wird, und dem Kopfhörer, der den entsprechenden Empfänger enthalten muss. Dieser wird mit Batterien resp. Akkus gespiesen, während für den Sender ein externes Netzteil Verwendung findet. Der Kopfhörer wird bei Nichtgebrauch auf dem Sender platziert, die Akkus dabei automatisch aufgeladen. Die Sennheiser-Lösung ist zweckmässig und garantiert immer volle Akkus (sofern man den Kopfhörer nicht irgendwo liegen lässt), da eine Kontroll LED den Ladevorgang anzeigt. Besonders hervorzuheben ist, dass dank der dreipoligen Konstruktion die Kopfhörer nicht «falsch» auf die Ladestation gelegt werden können: Gute Detailpflege!

Komfort

Das leicht auswechselbare Polster gibt den Blick auf den Akku frei

Die Akkus sind unter den leicht abnehmbaren Ohrpolster versteckt. Diese sind aus weichem Kunstleder geformt und liegen angenehm am Kopf. Einzig bei wärmerem Wetter und/oder längerem Tragen kommt man unter dem Kunstleder leicht ins Schwitzen. Doch sowohl die Polsterform als auch der Pressdruck wurden ausgezeichnet gewählt: Der RS 170 sitzt angenehm und kann auch über längere Zeit ohne störende Nebeneffekte getragen werden (Einschränkung siehe oben).

Funk wird ja oft einfach mit drahtlos gleichgesetzt. Aber Funk ist nicht gleich Funk! Neben FM, UHF u.a.m. gibt es z.B. auch noch Bluetooth oder eben Sennheisers Wahl: Kleer. Diese US Firma ist stolz auf ihre Entwicklung, die verlustfreie Audioübertragung in CD-Qualität garantiere, und dies bei 10fachem Akkuleben im Vergleich zu Bluetooth. 

Los gehts

Das Anschlusspanel: Stereo-Miniklinke, -8dB Pad-Schalter, Netzteilbuchse

Das RS 170 System kommt mit allem, was man zum Hörgenuss benötigt. Das kleine Netzteil für den Sender ist dank der diversen Aufsätze für so ziemlich alle Steckdosen dieser Welt gerüstet und bleibt auch im Dauereinsatz kühl.

Der Sender wird mittels beiliegendem Kabel (mit diversen Adaptern für die gebräuchlichsten Verbindungsarten) am Audio- resp. Videogerät angeschlossen (Linien- oder Kopfhörerausgang). Ein zuschaltbares Pad (-8dB) beim Eingang ermöglicht die optimale Anpassung an die entsprechende Audioquelle.

Die rechteckigen LEDs auf der Vorderseite des Senders sind zugleich Schalter. Ein erster Druck auf die Power LED (=Multifunktions-Taste) schaltet den Sender ein, ein etwas längerer zweiter Druck schaltet diesen aus.
Das gleiche gilt für den Hauptschalter am Kopfhörer. Dort ist die grüne LED jedoch separat und hat nur Kontrollfunktion.

Ausstattung

Senderfront: Die grünen LEDs sind zugleich Schalter. oben die orange Ladeanzeige

Der RS 170 Kopfhörer verfügt über 5 Taster/Schalter an der Unterseite der rechten Hörmuschel: Lautstärke +, Power ein/aus, Lautstärke -, 3D-Surround ein/aus, Bass ein/aus. Die letzten beiden Funktionen können auch am Sender an der entsprechenden Kontroll LED ein- und ausgeschaltet werden.

Im Einsatz war ich nicht sonderlich begeistert von der Position der Lautstärketaster, die ja nur am Kopfhörer selber zu finden sind: Erstens muss man sie ertasten und zweitens liegen sie beidseitig des Powerschalters.

Dieser verfügt zwar über ein mit etwas Fingerspitzengefühl spürbares Powerschaltersymbol (siehe Bild), doch braucht es einige Übungsläufe, bis man dies erfühlen kann. Für mich waren auch die unterschiedlich grossen Taster keine wirkliche Hilfe.

Gut hingegen ist das akustische Signal, das einem anzeigt, wenn man die minimale resp. die maximale Lautstärke erreicht hat. Ebenfalls zeigt ein Signalton an, wenn man die Bass- oder die Surroundtaste drückt.

Reichweite

Laut Sennheiser ist die Audioübertragung im Freien bis 80 m gewährleistet. Im Haus hängt die Übertragungsdistanz stark von den baulichen Gegebenheiten ab. Mein Testexemplar stiess schon an seine Übertragungsgrenzen, als ich mich in einen anderen Raum begab, der durch eine Betonmauer vom Sender getrennt war. Positiv dabei war, dass der Sound plötzlich «ausgeblendet» wurde und sich nicht mit Knistern, extremem Rauschen oder anderen Störgeräuschen verabschiedete.

Bass und 3D-Surround

Nicht ganz einfach zu erfühlen: Die Taster am Kopfhörer

Natürlich hängt eine zusätzliche Beeinflussung des Klangs in erster Linie vom persönlichen Geschmack und der bevorzugten Musik ab. Auch die Tonquelle spielt eine Rolle.

Bei meinen Versuchen fand ich den unbeeinflussten Klang des RS 170 sehr schön und ausgeglichen, mit klaren Bässen. Für mich war die Benützung der Bassanhebung meist des Guten etwas zu viel, und zwar bei allen Musikarten und den meisten Test-CDs.

Wenn schon pfundigen Bass, dann möchte ich den lieber am Körper spüren, z.B. von einem Subwoofer. Aber wie gesagt ... die Geschmäcker sind verschieden.

Viele DVDs und BDs kommen heute mit Surround Sound auf den Markt. Doch nicht alle Konsumenten haben in ihrem Heim eine Surround-AV-Anlage, oder dürfen diese nicht immer voll nutzen. So ist denn der simulierte Surround Sound im RS 170 eine willkommene Einrichtung, um den Soundtrack einer DVD oder BD aufzumotzen.

Für echten Musikgenuss würde ich persönlich diese Funktion mit Bestimmtheit ausschalten, werden doch die Instrumentenpositionen und -Wertungen neu verteilt und somit das Klangbild der Musikproduktion ziemlich radikal verändert.

Klangvergleich

Um eine möglichst objektive Beurteilung des Klangeindrucks abgeben zu können, spielte ich diverse CDs einerseits über meine (brutal ehrlichen) Studiomonitore und hörte mir die selben Passagen gleich darauf in den Sennheiser RS 170 an. Das Resultat: Die RS 170 sind sauber, transparent, aber etwas schönfärberisch, machen die Musik etwas weicher, angenehmer, was natürlich im Alltag absolut wünschenswert sein dürfte und den Musikgenuss auch über Stunden gewährleistet. Es sind echte Ohrschmeichler.

Fazit

Die RS 170 von Sennheiser sind nicht nur Hingucker, sie klingen auch bestechend gut. Und da sie den Klang dabei mit etwas Make-up versehen, sind sie die ideale Ergänzung zum heimischen AV-Zentrum. Sie werden von Sennheiser denn auch korrekt «for home entertainment» angepriesen. Der empfohlene Verkaufpreis von Fr. 298.00 macht sie zwar nicht billig, aber preiswert.

STECKBRIEF
Modell:
RS 170
Profil:
Funk-Kopfhörer mit 3D-Surround als ideale Ergänzung zum heimischen AV-Zentrum.
Pro:
Tonqualität; Design
Contra:
Kunststoffpolster
Preis:
298.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2009
Vertrieb:
Masse:
85 x 225 x 133 (Sender) mm
Gewicht:
0,216 kg
Farbe:
schwarz
Bauprinzip:
geschlossen

Onlinelink:
http://www.avguide.ch/testbericht/ohrschmeichler-test-sennheiser-rs-170-funkkopfhoerersystem