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USB Controller/Keyboards

M-Audio Keystation 61es und Evolution MK-449C

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Zwei Testkandidaten
Keystation 61es
Evolution MK-449C
Fazit

Die Situation

Mehr und mehr verlieren echte MIDI-Instrumente – Keyboards und Expander – an Wichtigkeit: Die virtuellen Instrumente befinden sich im Rechner, kommen meist, wie z.B. im Logic (Express) 7 oder in Garage Band, gleich mit der Software.

Natürlich kann man mit einem USB to MIDI Interface sein(e) Keyboard(s) als Einspielinstrument benützen, doch eleganter geht das ganze natürlich mit einem USB Controller, mit dem man evtl. gleich noch ein paar andere Funktionen zur Verfügung hat.

Die Keystation 61es von M-Audio

Kriterien

Ich kannte mich vor diesem Artikel auf dem Controllermarkt nicht besonders gut aus, hatte das eine oder andere gelesen, gewisse Modelle in Ausstellungen gesehen, doch wirklich interessierte ich mich erst dafür, als Eigenbedarf bestand.

Ich wusste, dass die Auswahl nicht überwältigend ist, die Hersteller an einer Hand abzuzählen sein sollten. Also stellte ich persönliche Kriterien auf. 

Das wichtigste war in jedem Fall die Tastatur: Ich hatte Erfahrungen mit Synthesizer- (also ungewichteten) sowie Klavier- (also gewichteten oder Hammermechanik-) Tastaturen, besass bereits ein Yamaha Keyboard mit einer Mini-Tastatur, benötigte also unbedingt eine Volltastatur. Natürlich musste diese anschlagdynamisch sein, wobei die ganze Dynamik zum Tragen kommen sollte. Ein weiterer Wunsch war Aftertouch, eine Funktion, die nicht mehr so oft anzutreffen ist. 

An zweiter Stelle folgte der Tonumfang: Die kleinen zwei- und drei oktavigen Keyboards sind ja gut und recht, doch wenn man etwas direkt einspielen will, sind für mich 4 Oktaven, also 49 Tasten, ein Minimum. Ich liebäugelte auch mit 61 Tasten, da ich diesen Umfang vom DX-7 her gewohnt war – ein volles 88er Keyboard war für mich jedoch aus Platzgründen jenseits des Möglichen. 

An dritter Stelle folgte dann noch der Preis, ein wichtiges Kriterium für viele – so auch für mich. 

Auf der Suche

Eigentlich wollte ich etwas möglichst Einfaches, da ich gewohnt bin, alle Einstellungen direkt am Bildschirm mit der Maus vorzunehmen. Also konnte ich auf all die Fader und Drehregler verzichten, wollte einfach eine gute Tastatur, die mich nicht durch technische „Raffinessen“ vom meiner musikalischen Kreativität abhalten sollte. Plug and forget war mein Wunsch. 

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Das MK-449C von Evolution

Zwei Testkandidaten

Als erstes stiess ich auf die Keystation 61es von M-Audio, suchte dann noch nach einer Alternativen und fand das MK-449C von Evolution, einer englischen Firma, die mittlerweile jedoch auch zu M-Audio, resp. Avid gehört. 

Gemeinsames

Um mich nicht zu wiederholen, fasse ich Gemeinsamkeiten beider Keyboards hier zusammen.

Da wäre einmal das Äussere: Beide Keyboards kommen in einem Kunststoffgehäuse in metallic-silber Look daher, beide sind leicht (unter 5 kg) und werden in einer bedruckten Pappschachtel mit Tragegriff geliefert.

Beiden liegt ein USB Kabel und eine Bedienungsanleitung bei (doch hier sind schon die ersten Unterschiede zu vermerken – siehe unten!)

Auch die Anschlüsse sind identisch: 1 x USB, 1 x MIDI Out, 1 x Pedal, 1 x 9V für externes Netzgerät (nicht im Lieferumfang enthalten) und ein Schiebeschalter (ein/aus).

Im Normalfall wird kein externes Netzteil benötigt, da das Keyboard via USB-Anschluss vom Rechner mit Strom versorgt wird. Dass das Netzgerät nicht im Lieferumfang enthalten ist, geht absolut in Ordnung.

Wer unter Windows XP oder Mac OS X arbeitet, hat bei beiden Controllern das absolute Plug and Play Erlebnis (ich konnte es zwar nur auf dem Mac testen). Andere Betriebssysteme benötigen Treibersoftware, die auf einer CD mitgeliefert wird.

Beide Geräte verfügen über ein Pitch- und ein Modulations-Rad links der Tastatur. 

Doch dann beginnen die Unterschiede! 

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M-Audio Keystation 61es 

Die Bedienung der Keystation ist (auf den ersten Blick) genau so einfach wie das Äussere des Controllers: Einstecken – loslegen. Neben dem Pitch Bend und dem Modulationsrad gibt es nur noch einen Volumenfader (praktisch), mit je einer LED versehene Oktavenschalter (sehr übersichtlich) und eine weitere Gummitaste mit der Bezeichnung „Advanced Functions“.

Etwas verwirrend fand ich die Bezeichnungen der weissen Tasten von C1 bis C6, da zumindest die Nummern bei Verwendung der Okatventastern ja nicht mehr zutreffen. Doch falls diese Bezeichnungen jemandem helfen sollten – mir sollte es recht sein.

In der Verpackung befanden sich noch ein Handbuch in 6 (!) Sprachen – für jede Sprache rund 11 Seiten, was sich als absolut genügend erweist – 2 CDs (1 x Treibersoftware und 1 x Maximum Audio Tools = free bundled Software für Mac und PC, sowie ein wirklich kurzes USB Kabel in trendigem Weiss. Hier meine erste Frage: Wäre es so viel teurer, wenn man dem Keyboard ein doppelt oder gar dreimals so langes USB Kabel spendieren würde? Mir half nämlich nur ein Griff in meine Kabelkiste, damit ich das Keyboard in vernünftiger Weise aufstellen und mit meinem Mac verbinden konnte. 

Tastatur, Taster und Regler 

Nach kurzer Zeit konnte ich dann loslegen und so richtig in die Tasten hauen. Die Keystation 61es ist mit halbgewichteten Tasten ausgestattet, erwies sich als weder Fisch noch Vogel. Ich hatte auch nach längerem Spielen etwas Mühe, mich auf dieser Tastatur heimisch zu fühlen. Doch das ist absolut persönlich und Geschmacksache. 

Praktisch finde ich den Volumenregler, da zwischen den einzelnen Sounds doch riesige Lautstärkensprünge bestehen, die so rasch und intuitiv korrigiert werden können. 

Ebenso gefällt mir die Oktavenumschaltung mit den LEDs: Auf einen Blick erkennt man, ob man sich in einer höheren oder tieferen Lage befindet. 

Advanced Modus und Handbuch 

Natürlich wollte ich auch wissen, was es mit den „erweiterten Funktionen“ auf sich hatte. Intuitiv käme man nie darauf, was dahinter steckt, da muss man schon das Handbuch zu Rate ziehen. Dieses ist übrigens sehr übersichtlich aufgebaut und bietet in einem Anhang sogar noch zwei wirklich nützliche Tabellen: Die Nummern der GM Sounds und diejenigen der MIDI Controller. Was ich allerdings vermisste, war die sonst übliche MIDI Implementation Chart, eine Übersicht über die wichtigsten MIDI Funktionen, die dieses Gerät senden und/oder empfangen kann.

Der Advanced Modus ist eigentlich ein Edit Modus, in dem über die schwarzen Tasten Funktionen angewählt und über die weissen Tasten MIDI Kanäle und numerische Daten eingegeben werden können. Die Taste ganz rechts mit der Bezeichnung C6 wird dann zur Enter Taste. 

Wer den Advanced Modus nutzen will, muss (wahrscheinlich) jedesmal das Handbuch konsultieren. Ich könnte mir all die Tastenbelegungen auf keinen Fall merken! Es ist mir daher unverständlich, wieso die Funktionen nicht auf dem Gehäuse aufgedruckt sind, oder zumindest eine bedruckte Folie mitgeliefert wird. 

Zwischenbilanz 

Funktionsmässig verfügt die Keystation 61es über alles, was ich eigentlich benötige … ausser Aftertouch. Den habe ich auch im Edit Mode nicht gefunden. Die halbgewichtete Tastatur wäre für mich zumindest gewöhnungsbedürftig. 

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Evolution MK-449C 

Schon der erste Eindruck des MK-449C ist völlig anders: Ein beleuchtetes Display, daneben 8 sauber beschriftete graue Gummitaster, gefolgt von den 2 blauen Oktaveumschalttasten, 9 Schiebereglern und 8 Drehreglern; unter dem Display eine 10er Tastatur … da gibt es doch schon einiges mehr zu entdecken und erforschen. Obgleich ich eingangs erwähnte, dass ich primär nicht an zusätzlichen Knöpfen und Reglern interessiert sei, interessierten mich die erweiterten Möglichkeiten. 

Das „Handbuch“ 

Das nun gezückte Handbuch – Broschürchen wäre wohl der treffendere Ausdruck – ist erstens nur in Englisch (was mir zwar nichts ausmacht) und nur „Getting started“, also eine erste Hilfestellung. Das meiste davon konnte ich als OS X User übersprigen, da ich ja weder Treiber noch zusätzliche Software zu installieren hatte. Ich steiss dann auf das Inhaltsverzeichnis des „Advanced Guide“ inkl. Angabe der Seitenzahlen, der jedoch nur als PDF File auf der beiliegenden CD enthalten ist. Ich weiss, ich bin altmodisch, aber ich ziehe Gedrucktes jedem noch so schönen PDF File vor – und das PDF File ist im Evolution Fall eher mühsam, da es zu Ausdrucken gemacht wurde, was ein flüssiges Lesen am Bildschirm enorm erschwert. Wer dieses File jemals öffnet, weiss wovon ich spreche.

Zumindest war das beiliegende USB Kabel etwas grosszügiger bemessen als bei der Keystation, aber immer noch nicht lang genug. 

Die Installation verlief genau so problemlos wie bei der Keystation: Wirkliches Plug and Play unter Panther. 

Tastatur und Handling 

Das Keyboard des MK-449c ist ungewichtet, entspricht also inetwa einer Synthesizer Tastatur. Ich fühlte mich hier schneller zuhause.

Dank dem Display sind die Werte der letzten Einstellung immer schnell ablesbar, nur die Oktave-Anzeige verschwindet nach ein paar Sekunden wieder. Schade – da haben mir die LEDs der Keystation schon gut gefallen! 

Etwas verwirrend war für mich, dass die im PDF File integrierte MIDI Implementation behauptet, Aftertouch sei vorhanden, während ich in Logic keine Aftertouch Daten vorfand. Nach eingehendem Studium des elektronischen Handbuchs konnte ich dann Aftertouch auf einen der Fader legen, jedoch nicht auf die Tastatur (was mir von der Generalvertretung auch bestätigt wurde). 

Programmierung 

Die Möglichkeiten des MK-449C sind vielfältig, für meine momentanen Bedürfnisse sogar zu gross, doch man kann ja nie wissen … mit den vorhandenen Möglichkeiten steigen die Bedürfnisse!

Wenn man den Programmierdreh einmal raus hat und darauf achtet, dass gewisse zum Teil recht kleine Angaben im Display blinken müssen, damit man sie verändern kann, ist die Eingabe neuer Parameter keine Hexerei. Natürlich muss man wissen, was man will und die vielen MIDI Controller, deren Funktionen und Auswirkungen kennen. 

Weitere Ausstattungspunkte 

Ich will und kann hier nicht auf alle Möglichkeiten des MK-449C eingehen; ich kann nur noch ergänzend bemerken, dass u.a. 10 Presets, ein Draw Bar Modus (für B4 oder andere hammondartige virtuelle Orgeln) und eine Snapshot Funktion vorhanden sind. 

Dass man die Anschlagdynamik den einzelnen Sounds anpassen kann – es stehen 9 verschiedene Velocity Kurven zur Auswahl – ist eine hervorragende Sache! 

Eine kleine Enttäuschung war, dass die beiliegende und ausführlich beschriebene Software „Evolution Librarian“ zum Abspeichern von Sounddaten/SysEx Files nur für Windows existiert, Mac User einmal mehr das Nachsehen haben. 

2. Zwischenbilanz 

Das MK-449C kann weit mehr, als ich (momentan) benötige – was kein Negativpunkt sein soll! Die ungewichtete Tastatur entsprach meiner Spielweise besser, und der Tastenumfang von 49 genügt für mich für die meisten Anwendungen (um „richtig“ Musik zu machen habe ich ja immer noch ein Klavier). 

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Fazit 

Nehmen wir’s gleich vorweg: Das Preis-Leistungsverhältnis beider USB Controller ist hervorragend. Beide haben Vor- und Nachteile. Wenn ich rein nach meinen Bedürfnissen und Kriterien entscheiden müsste, würde ich mich eher für das Evolution MK-449C entscheiden, vor allem wegen der für mich einfacher spielbaren Tastatur und dem immerhin auf Umwegen einsetzbaren Aftertouch.

Ein allgemein gültiges Urteil kann ich nicht abgeben, da die individuellen Wünsche und Bedürfnisse zu stark differieren. Die definitive Entscheidung kann ich Ihnen also nicht abnehmen. Da hilft nur der Gang ins Musikfachgeschäft. 

Christian Hunziker

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