Vibe Summit VI

Mal Sands liebt das Vibraphon, obschon er - wie er selbst sagt - nicht in der Lage ist, ein Instrument zu spielen. larry bunker terry gibbsEr sei zwar nicht unmusikalisch, aber er überlasse die Arbeit gerne den "Professionals" und geniesse deren Musik.

Und dabei kniet sich Mal Sands regelmässig in freiwillige Arbeit, um sein Lieblingsinstrument live von den "Professionals" gespielt hören zu können: Er organisiert nun schon zum sechsten Mal, in diesem Jahr zusammen mit der Los Angeles Jazz Society, den Vibe Summit.

Larry Bunker (links) und Terry Gibbs

Grund zum Feiern

Er war eigentlich nicht jährlich geplant, doch mit so vielen berühmten Jazz-Vibraphonisten im Lande, die alle irgend ein Jubiläum zu feiern haben, fiel es Mal nicht schwer, einen Grund zu finden, der andere Musiker zum Mitmachen motiviert. Dieses Jahr war es der 70. Geburtstag von Larry Bunker, der als Vibraphonist sowie als Drummer wenig unter eigenem Namen veröffentlichte, jedoch auf hunderten von Jazz Produktionen mitwirkte und immer noch mitwirkt, so zum Beispiel auf der neusten (und überaus erfolgreichen) Diana Krall CD "When I look in your eyes".

vibesUnd sie kamen in Scharen, die bekannten und weniger bekannten Vibraphonisten aus aller Welt. Der berühmteste der Anwesenden war wohl Terry Gibbs (sein Geburtstag war der Grund für den letztjährigen Vibe Summit gewesen), der mit seiner "Dream Band" eben eine erfolgreiche Tournee abschloss. Als alter Freund von Larry Bunker meinte er scherzend: "Larry beschloss vor vielen Jahren sein Brot als Studiomusiker in Hollywood zu verdienen; er ernährt sich heute vorwiegend von Caviar und Champagner, während ich immer noch auf Tournee gehen muss, um überleben zu können!" Und Larry Bunker macht denn auch wirklich eher den Eindruck eines geniessenden Playboys als eines darbenden Musikers.

Der Anlass

Der Sonntag Nachmittag (geplant war der Anlass von 14 bis 18 Uhr) stand ganz Zeichen des Jazz: Improvisation war das oberste Gebot. Und "free for all" war ein weiteres Motto: Das Haustrio (Dave Mackay, Klavier, Richard Simon, Bass und Paul Kreiback, Drums) erwies sich als swingend, routiniert und enorm flexibel. Sie waren die einzigen, die eine kleine Entschädigung erhielten, aber schliesslich spielten sie ja auch während über sechs Stunden.
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Angemeldet waren 26 Vibraphonisten, von denen 22 denn auch da waren, doch hatte es im Publikum weitere, unangemeldete Musikerinnen und Musiker, die ohne langes Federlesens auftreten konnten. Und das Niveau war, keine Regel ohne Ausnahmen, hervorragend. Nach meist nur wenigen Sekunden Absprache mit dem Begleittrio über Stück, Tonart und Tempo, spielte jede/r ein Stück nach eigener Wahl. Das Repertoire bewegte sich vorwiegend in bekannten Jazz Standards von "How High the Moon" bis "Tokyo Blues".

Die einzelnen Musiker/innen wurden von Mal Sands mit ein paar erläuternden Worten vorgestellt und von den etwa 500 Gästen begeistert applaudiert.

Terry Gibbs ist immer noch in Hochform Susan Pascal aus San Francisco hatte im Radio vom Summit gehört
Finanzierung?

Erstaunlicherweise lässt sich ein solcher Anlass auch ohne Sponsoren finanzieren. Die Räumlichkeiten werden von der L.A. Jazz Society zur Verfügung gestellt, die Musiker spielen gratis und die übrigen Unkosten - die Gagen und Spesen für das Haustrio, sowie die Auslagen für die Organisation und die Werbung für den Anlass - werden mit einem Raffle (einer Art Verlosung), freiwilligen Spenden sowie dem Verkauf von T-Shirts, CDs usw. und vor allem Getränken und Esswaren gedeckt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen ihren Job ehrenamtlich und überall ist eine riesige Begeisterung zu verspüren, auch als der Anlass, wegen dem Grossandrang von Vibraphonisten, sogar nach 20 Uhr noch weitergeführt wurde.

Ach ja, interessant waren die Altersgruppen unter den Anwesenden (den Gästen als auch den Vibraphonisten): Am stärksten vertreten waren die Babyboomers, die eigentliche Jazzgeneration ab 45. Eine weitere starke Gruppe waren die 20 bis 45jährigen. Viele Familien kamen komplett in drei Generationen. Am schwächsten vertreten waren die 16 bis 20jährigen.

Nächstes Jahr wieder

Mal Sands wird auch im nächsten Jahr wieder einen Vibe Summit veranstalten. Wer dann geehrt werden wird, weiss er noch nicht, doch leben noch viele Vibraphon-Jazzlegenden in den USA.

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