video serie

2. Grundsätzliches

Camcorder
DV-Kassetten
Timecode
Festplatten
Zusätzliches
Audio
deo serie

Als ich begann, das Grundsätzliche zusammenzustellen, dachte ich an drei, vier wichtige Informationen. Mittlerweile wurde daraus ein relativ umfangreicher Artikel.

Analoges muss zuerst digitalisiert werden

Hier soll (fast) ausschliesslich von der DV-Norm die Rede sein, der Norm, die für das DV-Format (DV = Digital Video) aufgestellt wurde. Um Videoclips anderer Systeme (Video8, Hi8, VHS usw.) im Computer bearbeiten zu können, muss man das Material (Bild und Ton) zuerst digitalisieren, was auf drei Arten geschehen kann:

- Die erste und teuerste Art ist eine spezielle Videokarte für den Computer*.

- Die zweite ist
entweder ein externes Umwandlungsgerät, das analoges Video in DV wandelt und einen Firewire Ausgang besitzt
oder ein DV-Aufnahmegerät, das über analoge Video- und Audioeingänge verfügt (beide Gerätearten gibt es von Sony)

- Die dritte ist ein Camcoder mit eingebauten analogen Eingängen, der das Signal wandelt und entweder direkt zum Firewireausgang leitet oder aufzeichnet.

*ACHTUNG: Falls Sie eine AV-Karte oder eine Grafikkarte mit Videoeingang besitzen, nützt dies leider nicht viel, da die heute erhältlichen Videobearbeitungsprogramme sich nur mit der komprimierten DV-Norm einsetzen lassen. Für unkomprimierte Videoinformationen wären die Festplatten zu klein und vor allem zu langsam.

Von der ersten Variante würde ich aus diversen Gründen absehen, vor allem weil die beiden anderen Varianten günstiger sind und wesentliche Vorteile aufzuweisen haben:DV-Walkman

Falls Sie eben dabei sind, sich einen DV-Camcorder anzuschaffen, aber bereits über diverses analoges Videomaterial verfügen, ist die Variante drei die beste: Achten Sie darauf, dass Ihr neuer Camcorder analoge Eingänge hat und sowohl Video als auch Audio direkt wandeln kann - die meisten neuen (Sony-) Modelle können das.

Falls Sie (wie ich) einen DV-Camcorder besitzen, der keine Wandlung zulässt, ist der DV-Walkman/Recorder die beste Variante, sofern das Budget dies erlaubt. Das Umwandlungsgerät ist die günstigere Variante, bietet jedoch kein alternatives Laufwerk. Das Laufwerk in einem DV-Walkman soll robuster sein, als das im Camcorder. Auf alle Fälle ist es gut, wenn man den Camcorder ausschliesslich für die Aufnahme benützt, sofern man ein fleissiger Videograph ist. Für den durchschnittlichen Hobbyfilmer genügt der Camcorder.

Wenn Sie jedoch nur ein paar alte Hi8-Videos transferieren wollen, wäre sogar die Miete eines DV-Walkman eine gute Lösung.

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Der Camcorder (inkl. Zubehör)

Die DV-Norm für uns Normalverbraucher ist eindeutig Mini-DV. Sony versuchte eine Zeit lang Digital8 zu vermarkten (von der Idee her nicht schlecht), blieb jedoch mit diesem Format Einzelgänger und zog es vom Europäischen Markt zurück. In den USA (wo interessanterweise Digitales Video mit rund zwei Jahren Verspätung lanciert wurde) wird Digital8 im NTSC-Format immer noch angeboten. Doch bleiben wir beim Europäischen PAL-Markt.

Das Angebot an Mini-DV-Camcorder ist gross; worauf sollte man also achten?

- DV In: Während Jahren wurde bei Europäischen Camcordermodellen die DV-In-Möglichkeit softwaremässig gesperrt. Dies bedeutet, dass man zwar seine Videos in den Computer überspielen kann, ein zurückspielen in den Camcorder nicht möglich ist. Vergewissern Sie sich, dass das Modell, das Sie anschaffen wollen, keine DV In Sperre aufweist!

- Firewire ist nicht gleich Firewire: Nicht alle Firmen halten sich gleich gründlich an diese genormte Schnittstelle. Erfahrungsgemäss hat man mit Sony-und Canon-Camcorder am wenigsten Probleme in dieser Hinsicht.

- Ein gutes Objektiv ist das Herz eines Bildaufzeichnungsgeräts. Ein Zeiss-Objektiv ist in den meisten Fällen erste Wahl. Auch Canon ist bekannt als hervorragender Objektivhersteller.

- Zoom: Vergessen Sie Angaben über digitalen Zoom, da bei dessen Einsatz nur die Bildqualität verschlechtert wird. Denken Sie auch daran, dass ohne Stativ Einstellungen über 5fach Zoom auch mit Bildstabilisatoren zu wackeln beginnen. Was nützt ein 20fach Zoom, wenn man die verwackelten Bilder nicht verwenden kann! Ein 20- und mehrfaches Zoom ist zwar wünschenswert, aber nur, wenn Sie sich ein stabiles Stativ anschaffen.

- Digitale Tricks: Was Ihr Camcorder können muss, ist gute Bilder aufzeichnen, alles andere werden Sie im Computer erledigen. Vergessen Sie also Schlagworte wie "Digitale Überblendungen", "Integrierter Titler" usw. Das benötigen Sie alles nicht, wie wir später sehen werden.

- Sucher/LCD-Display: Ein guter Camcorder sollte beides haben (wobei ein Farbsucher m. E. nicht unbedingt nötig ist, s/w tut's in den meisten Fällen, da wir sowieso keine Farbkorrektur vornehmen können. Das LCD Display sollte so gross wie möglich sein, da es ja (gerade auf Reisen) oft die einzige Möglichkeit ist, Aufgenommenes zu kontrollieren und notfalls zu wiederholen. Den Ton kontrollieren Sie über den Kopfhörerausgang (sofern Sie den Kopfhörer nicht zuhause vergessen haben).

- Camcorder Grösse: Es hat zwar auch Vorteile, einen möglichst kleinen Camcorder zu besitzen (man nimmt ihn wirklich überallhin mit, kann ohne viel Aufsehen Sequenzen schiessen), doch die Bedienelemente sollten gross genug sein, dass man sie problemlos und "im Schlaf" erreichen und betätigen kann.
Meiner Ansicht nach wichtige Knöpfe sind:
- entweder manueller Focus oder Focus-Sperre
- entweder manuelle Blende oder Blenden-Sperre
- Gegenlichtkorrekturschalter

- Mikrofon: Da eingebaute Mikrofone erstens unflexibel sind und zweitens meist am lautesten die Motor- und Zoomgeräusche aufzeichnen, sollte der Camcorder über einen Stereomikrofoneingang und einen Kopfhörerausgang (zur direkten Tonkontrolle) verfügen. Leider gibt es erst in der Profiklasse symmetrierte XLR-Eingänge, doch damit muss man sich im Moment abfinden; und dann gibt es XLR-Adapter als (relativ teures) Zubehör.

Das Sony-Mikrofon ECM-959A ist ein hervorragendes Stereomikrofon auf Electretbasis, das mit dem passenden Stereo-Minijack ausgestattet ist.

Nun sollten Sie sich noch ein passendes Mikrofon leisten. Wenn Sie mehr als nur "ein wenig Originalton" zu ihren Bildern wollen, sparen Sie hier nicht. Ein gutes Stereomikrofon kostet schnell mal 350 bis 500 Euro (mehr ist keine Problem!).

- Stativ: Wie schon erwähnt benötigen Sie unbedingt ein Stativ. Achten Sie darauf, dass es von der Bauweise dem Camcorder angepasst ist. Es darf ruhig etwas stabiler sein, und als ideal erweist sich ein ölgedämpfter Schwenkkopf (doch den finden wir erst in einer relativ hohen Preisklasse).

Es gibt da zwar Tricks, wie man sich "im Felde" ohne Stativ behelfen kann (siehe Teil 3), doch sind diese nur im Notfall anzuwenden.

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DV-Kassetten

DV-Kassetten sind mehr oder weniger genormt und bisher habe ich keine Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Marken (ich arbeitete mit Sony, Panasonic und JVC Kassetten) feststellen können. Wenn Sie Ihre Werke im Computer nachbearbeiten, benötigen Sie nur die "normalen" Kassetten, diejenigen mit eingebautem Memory sind Overkill. Normalerweise sind Kassetten 60-Minuten lang; einzig Panasonic macht solche, die 80 Minuten dauern.

Lassen Sie sich durch die grosse "90" Angabe nicht täuschen! Auch diese DV-Kassette zeichnet im SP-Modus nur 60 Minuten auf:

Ich spreche hier vom SP (Standard Play) Mode. Vergessen Sie den LP-Mode (Long Play). Die Bild- und Tonqualität ist zwar nicht erkennbar schlechter, doch sind die Toleranzen der einzelnen (Consumer-)Geräte zu gross, als dass Sie eine LP-Mode Kassette mit Sicherheit auf einem anderen Camcorder oder DV-Player (nicht mit DVD-Player verwechslen!!) abspielen könnten. Es kann sogar sein, dass LP-Mode Kassetten auf Ihrem Gerät perfekt abzuspielen sind, doch sich die Toleranzen nach 6 Monaten hartem Geräteeinsatz leicht vergrösserten und die Kassette nicht mehr sauber gespielt werden kann.

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Timecode

Die DV-Norm enthält den Timecode, der mit SMPTE vergleichbar ist. Er ist unbedingt erforderlich, wenn man DV-Material via Firewire in den Computer überspielen will. Und da die DV-Camcorder-Laufwerke gewissen Toleranzen unterliegen und (wie oben erwähnt) sich nicht alle Hersteller exakt an das Firewire-Protokoll halten, gilt es folgende Tipps unbedingt zu beachten:

- Nehmen Sie mind. 30 Sekunden, besser 1 Minute zu Beginn jeder neuen Kassette leer auf, oder etwas, das Sie bestimmt nicht benötigen. Es ist z.B. nützlich, während dieser Leer-Aufnahme zu sagen, was auf dieser Kassette drauf sein wird, z.B. "Ferien in Italien, Kassette drei". Natürlich können Sie dazu auch im Bild erscheinen ...

- Es gibt Leute, die immer wieder schnell anschauen wollen, was Sie soeben aufgezeichnet haben. Das ist ok, doch hat es einen Haken: In vielen Fällen wird der Timecode unterbrochen. Fährt man nämlich über den zuletzt aufgezeichneten Timecode hinaus, und beginnt dann wieder aufzunehmen, meint der Camcorder, das sei eine neue Kassette und beginnt wieder mit 00:00:00:00, was sich beim Übertragen in den Computer katastrophal auswirken kann.

Um dies zu vermeiden, gibt es zwei Möglichkeiten:

Die sicherste ist, die ganz Kassette einmal "schwarz" (mit dem Objektivdeckel drauf) aufzunehmen – falls Sie auch den Ton unterdrücken wollen, müssen Sie einen Blindstecker in die Mikrofonbuchse stecken.

Die etwas weniger sichere Alternative ist, dass man vor jedem Neustart die Funktion "End Search" aktiviert. Diese funktioniert jedoch nur bei neuen Kassetten, da das Ende von aufgezeichnetem Timecode gesucht wird.

Firewire-Kabel

Es gibt zwei unterschiedliche Firewire-Stecker, vierpolige und sechspolige (die Pole sieht man allerdings nicht, nur die Grösse ist verschieden).

Camcorder sind mit vierpoligen Buchsen ausgestatten, Computer mit sechspoligen. Im Normalfall benötigen Sie EIN Firewire-Kabel, vierpolig auf sechspolig. Damit können sie Ihren Camcorder mit dem Computer verbinden.

Ein Firewire-Kabel, das den Camcorder mit dem Computer verbinden soll, sieht so aus.

Wenn Sie zwei Camcorder haben und eine DV-Kassette kopieren wollen, benötigen Sie ein Kabel, das an jedem Ende einen 4-poligen Stecker hat.

Und um z.B. zwei Macs im Targetmode zu verbinden, benötigen Sie logischerweise ein Kabel mit 2 sechspol Stecker.

Es gibt Firewirekabel in diversen Preiskategorien. Ich habe selbst verschiedene ausprobiert und keine Qualitätsunterschiede in der Übertragung festgestellt. Sicher sind die einen etwas robuster, aber sonst ...

Computer-Anforderungen (Mac)

Je nach Software werden unterschiedlich Anforderungen an den Computer gestellt. Ich habe leider nur Mac-Erfahrung, und hier weiss ich, dass die absoluten Mindestanforderungen ein G3/300 MHz mit 128 MB RAM sind, wobei ich auch schon mit einem G3/266 MHz allerdings mit 448 MB RAM arbeiten konnte. Selbstverständlich gehören zu den erwähnten G3/300 auch entsprechende iMacs ind iBooks, sofern sie über einen Firewire-Port verfügen.

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Festplatten

Falls Sie bisher mit Audio im Computer arbeiteten, wissen Sie, wie viel Platz AIFF- oder WAV-Files benötigen: Für eine Minute Stereo-Audio in der CD-Norm (44.1 kHz/16 bit) benötigt man rund 10 MB Festplattenplatz, bei einer akzeptablen MP3 Kompression rund 1 MB.

Die DV-Norm komprimiert die Video- und Audio-Daten im Verhältnis 1:5. Diese Kompression wird schon im Camcorder vorgenommen. Deshalb kann man den Datenstrom ohne zusätzlich Hardware direkt via Firewire in den Computer transportieren, wo eine Minute DV (Video und Audio) 216 MB Speicherplatz benötigen, oder 1 GB pro 5 Minuten.

Da (normale) DV-Kassetten im Standard Mode 60 Minuten DV-Daten aufzeichnen können, würde theoretisch eine 12 GB Festplatte für 1 Stunde DV-Video ausreichen. Allerdings können erstens Festplatten ja nicht optimal ausgenützt werden und zweitens wollen Sie ja nun das Material bearbeiten, was je nach Arbeitsweise nochmals beinahe ebensoviel Speicherplatz benötigt. Persönlich empfehle ich mindestens 20 GB pro Stunde. Aber da Sie ja vielleicht nur einen Drittel ihrer Originalaufnahmen verwenden werden, das Endprodukt ein Stunde sein kann, wäre also eine 60 GB Festplatte ideal – bei den heutigen Preisen ja absolut zu verkraften.

Interne IDE-Festplatten sind schnell genug (sofern nicht der Controller des Motherboards Flaschenhals spielt); ebenfalls empfehlenswert sind externe Firewire Festplatten, sofern sie den neuen Chipsatz (Oxford Chips) enthalten.

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Und zusätzlich

Was Sie zusätzlich noch anschaffen sollten, ist ein (kleines) TV-Gerät mit AV-Eingang, das Sie als Kontrollbildschirm benutzen können. Die wirkliche Bildqualität und der tatsächlich wiedergegebene Bildauschnitt sind auf dem Computermonitor nicht erkennbar. Auch sind gewisse Farben (z.B. bei Titeln) auf einem TV-Bildschirm unbrauchbar, die auf dem Computermonitor recht gut aussehen. Profis benützen natürlich einen echten, genormten TV-Monitor; auch für Amateure eine schöne Sache, wenn das Budget dies erlaubt.
Da ich hier in den USA sowohl mit NTSC als auch mit PAL arbeite, kaufte ich mir einen kleinen Multinorm Fernseher, der seine Aufgabe bestens erfüllt.

Der TV-Monitor wird an den Videoausgang des Camcorders angeschlossen.

Videoarbeitsplatz

So kann ein Video-Arbeitsplatz aussehen:

Ein Mac G4 mit 21-Zoll Monitor, JBL Computerlautsprecher (der Basslautsprecher ist nicht sichtbar), ein JVC Fernseher und ein Camcorder (in diesem Fall ein Canon Optura NTSC).


Falls Sie einen DV-Walkman Ihr eigen nennen, wird der kleine LCD-Bildschirm zur Kontrolle dienen, doch ist diese Kombination nicht ideal, da man darauf weder die Farb- noch die echten Bildausschnittprobleme erkennen kann. Und da DV-Walkmänner (im Gegensatz zu Camcordern) über keine analogen Ausgänge verfügen, können weder ein weiter TV-Monitor noch Lautsprecher (siehe unten) zusätzlich verwendet werden.

Je nachdem, wie wichtig die Audioqualität für Sie ist, sollten Sie auch ein paar (aktive) Stereolautsprecher auf ihrem Schnittplatz installieren; und zwar werden die nicht an den Computerausgang, sondern an den Audioausgang des Camcorders angeschlossen.

Was ist wo?

Im DV-Datenstrom sind sowohl Video als auch Audio enthalten, doch werden diese Informationen von der Software im Computer getrennt und können unabhängig voneinander bearbeitet werden. Das hat Vor- und Nachteile - doch mehr dazu später.

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Audio

Die DV-Norm arbeitet offiziell mit 16 Bit/48 kHz, was der DAT-Norm entspricht. Es gibt jedoch ältere Modelle, die Audio nur mit 32 kHz Auflösung aufzeichnen. Und um die Verwirrung noch zu vervollständigen, gibt es bei den meisten Camcordern einen 12-Bit-Modus, der das nachträgliche, interne Zumischen einer weiteren Stereotonquelle (z.B. Backgroundmusik) ermöglicht.

Da in unserem Fall alle Tonmischungen im Computer erfolgen werden, sollten Sie unbedingt die beste Audioqualität wählen, also wenn möglich 16 Bit/48 kHz.

Ein weiterer Nebeneffekt der DV-Samplingrate von 48 kHz (resp. 32 kHz) ist das Problem, dass Konservenmusik ab CD nicht direkt verwendet werden kann. CDs sind mit 44.1 kHz gesamplet, müssen also vor Gebrauch gewandelt werden (siehe später).

Christian Hunziker


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