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4. Audio in Video (1)

Wer mit einem DV-Camcorder videografiert, nimmt ja gleichzeitig synchronen (oder auch nicht! Doch dazu mehr im nächsten Artikel) Ton auf. Die eingebauten Mikrofone sind je nach Modell mehr oder weniger brauchbar, je nachdem wie sie gerichtet sind. Bei einigen Miniaturmodellen (Sony ist bekanntlicherweise Spezialist für Miniaturisierung) ist ein Stereomikrofon auf der Oberseite angebracht, was natürlich einen denkbar schlechten, da ungerichteten Ton ergibt. Aber auch bei besserer Positionierung haben eingebaute Mikrofone Nachteile:

  • Oft überlagern Störgeräusche (z.B. das Summen des Antriebmotors oder gar das Atmen des Kameramannes) den sogenannten Nutzton
  • Die Richtwirkung ist minimal

Trotzdem verwenden wir das eingebaute Mikrofon in den meisten Fällen, weil wir uns nicht noch mit einem zusätzlichen Problem befassen wollen.

Ersatzmikrofone

Die meisten Camcorder verfügen über eine Buchse (Stereo-Minijack), die die Verwendung eines externen Mikrofons erlauben. Das interne Mik wird bei Verwendung der Buchse automatisch stummgeschaltet.

Bei Interviews ist die Verwendung eines externen Mikrofons unumgänglich. Wegen diverser möglicher Probleme rate ich (und ich bin nicht allein) von der Verwendung drahtloser Mikrofone ab, wenn es nicht unbedingt sein muss. Idealerweise benützt man ein Elektret-Stereomikrofon oder ein oder zwei ansteckbare Lavaliermikrofone (mono). Bei der Verwendung von Mono-Mikrofonen ist zu beachten, dass das Signal nur auf einen Kanal aufgenommen wird. Wer zwei Mono-Mikrofone verwenden will, kann sich mit geringem Aufwand ein Übergangskabel löten, damit jedes der Mikrofone auf einen eigenen Kanal aufgezeichnet wird (schliesslich haben wir ja dank stereo zwei Kanäle zur Verfügung). Beim Editing im Computer können die einzelnen Mikrofonspuren dann noch, falls notwendig, separat nachbearbeitet werden.

Bekannte Mikrofonprobleme

Da die Mikrofoneingänge der Camcorder unter 3000 Franken/Euro in allen mir bekannten Fällen Minijackbuchsen sind, ist die Verwendung von symmetrischen Mikrofonleitungen (die Störeinflüsse wie Brumm und Zirr weitgehend auslöschen) nur mit grösserem Aufwand möglich. Symmetrierübertrager sind nicht direkt zu verwenden, da sie durch ihr Gewicht und ihre Grösse die zarte Anschlussbuchse zerstören würden. Asymmetrische Mikrofonkabel werden ab 3 m problematisch, da sie die obenerwähnten Störgeräusche aufnehmen.

Im Videohandel gibt es zwar spezielle Symmetriervorschaltgeräte, die sogar eine kleine Mischstufe enthalten (z.B. von Beachtek). Das ungelöste Problem ist dabei (bei den Camcordern unter 3000 CHF/Euro) der automatische Pegelausgleich (AGC = Automatic Gain Control), der zwar recht gut funktioniert, jedoch immer noch keine effektive Lautstärken-Anpassung akzeptiert: Leise Passagen werden angehoben, laute gedämpft. Trotzdem: Der Beachtek Adapter ist eine gangbare Alternative, die symmetrische und somit lange Mikrofonleitungen ermöglicht.

Gute Mikrofone benötigen Betriebsstrom. Kondensatormikrofone, die nur mit Phantomspeisung funktionieren, eigenen sich deshalb nicht für unsere Videozwecke; wir benötigen batteriebetriebene Elektretmikrofone. Aber: Trotzdem die Batterien in diesen Mikrofonen eine lange Lebensdauer aufweisen, schlägt Murphy's Law unbarmherzig zu! Wählen Sie erstens ein Mikrofon, das herkömmliche AA Batterien verwendet und nehmen Sie zweitens immer ein paar Ersatzbatterien mit.

Alternativen

Wer öffentliche Aufführungen aufzeichnet (Theater, Musicals usw.), kann oft von der (hoffentlich vorhandenen) PA-Anlage profitieren. Der direkte Anschluss des Camcorders an den Ausgang des PA Mischpultes funktioniert zwar in den wenigsten Fällen, doch habe ich mit in diversen Fällen meinen MiniDisc Walkman inkl. einem Verbindungskabel mit Cinch- und Jack-Adaptern zum Einsatz gebracht und war erstaunt, wie problemlos ich den MiniDisc-Ton importieren und direkt einsetzen konnte. In einem Fall musste ich meine Kameraposition wegen der enorm breiten Bühne weit zurückversetzen. Ich plazierte zwei Mikrofone auf der Bühne und nahm deren Signal auf MiniDisc auf. Das Resultat war erfreulich.

TonTipp

Jede Aufnahmesituation hat ihren eigenen Hintergrundston. Nehmen Sie zur Sicherheit VOR und NACH dem Interview oder der Theateraufführung genügend Ambienteton auf; oft braucht man sowas für die Titelsequenz oder um Flickarbeiten im Interview machen zu können.

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